Erholung, die wirklich erholt: Feierabend und Urlaub bewusst gestalten
„Ich war im Urlaub – aber eigentlich bräuchte ich jetzt nochmal Urlaub.“
Viele kennen dieses Gefühl. Auch der Feierabend bringt oft keine echte Pause: Der Kopf arbeitet weiter, Mails werden „noch schnell“ beantwortet, Erschöpfung sammelt sich an.
Erholung ist kein Luxus, sondern eine Voraussetzung für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit. Dieser Artikel zeigt Dir, wie Du Feierabend und Urlaub so gestaltest, dass sie Dich wirklich regenerieren – trotz voller To-do-Liste.
Was Erholung eigentlich bedeutet
Erholung heißt nicht nur „nichts tun“. Sie hat mehrere Ebenen:

Körperlich
- Entspannung, Schlaf, Bewegung, weniger Anspannung.
Mental
- Abstand zu Problemen und To-dos, weniger Reizüberflutung, „Runterfahren“ des Denkapparats.
Emotional
- Positive Gefühle, Verbundenheit, Freude, Sinn-Erleben außerhalb der Arbeit.
Je mehr dieser Ebenen Du ansprichst, desto tiefer ist Deine Erholung.
Warum wir trotz Freizeit oft nicht wirklich erholen
Typische Gründe:
Dauerpräsenz durch Technik
- Mails und Chats auf dem Handy, Push-Benachrichtigungen, ständiges „Nur kurz schauen…“.
Offene „mentale Tabs“
- Unerledigte Aufgaben, ungeklärte Themen und Konflikte, die im Kopf weiterlaufen.
Hohe Erwartungen an Freizeit und Urlaub
- „Jetzt muss es perfekt sein“, „Ich muss alles nachholen, wozu ich sonst nicht komme.“
Verwechslung von Ablenkung und Erholung
- Dauer-Streaming und endloses Scrollen lenken zwar ab, geben aber oft wenig echte Energie zurück.
Gute Nachricht: Du musst nicht Dein gesamtes Leben umstrukturieren. Kleine Veränderungen haben oft große Wirkung.
Feierabend bewusst einleiten – statt einfach „umzufallen“
Statt: „Irgendwann mache ich einfach den Laptop zu und bin im Kopf doch noch im Job.“
Führ ein kleines Feierabend-Ritual ein (10–15 Minuten):

1. Tag abschließen
Schau Deine To-dos durch:
- Was habe ich heute erledigt? (bewusst wertschätzen)
- Was ist offen geblieben?
Unterscheide:
- Muss morgen weitergehen
- Kann warten
- Ist doch nicht mehr relevant
2. Morgen sortieren
Notiere 1–3 klare Prioritäten für morgen:
- „Wenn ich diese drei Dinge schaffe, war der Tag sinnvoll.“
Leg ggf. schon Unterlagen / Dateien bereit, damit Du nicht alles im Kopf behalten musst.
3. Physischer Abschluss
- Arbeitsplatz aufräumen, Laptop bewusst schließen.
- Status im Chat auf „offline“ / „Feierabend“ setzen.
- Ein paar tiefe Atemzüge oder ein kurzer Gang (z. B. einmal um den Block).
So signalisierst Du Deinem Gehirn: „Tag vorbei – Du darfst runterfahren.“
Umgang mit beruflichen Mails & Chats nach Feierabend
Ein zentraler Hebel für echte Erholung: Erreichbarkeitsgrenzen.
Mögliche Varianten:
Klare Offline-Zeiten
- z. B. ab 18:30 Uhr keine beruflichen Mails/Chats mehr.
- Handybenachrichtigungen aus, berufliche Apps nicht privat öffnen.
Wenn Erreichbarkeit nötig ist:
- Feste Zeitfenster definieren (z. B. 10–15 Minuten um 20:00 Uhr) statt permanentes „Dauer-Checken“.
- Innerhalb des Fensters nur prüfen, ob etwas wirklich Dringendes ist – nicht alles „fertig arbeiten“.
Wenn Du Führungskraft bist:
- Sei Dir bewusst: Dein Kommunikationsverhalten (Mails spätabends, Wochenenden) setzt Standards fürs Team – ob Du das willst oder nicht.
- Nutze ggf. „Später senden“-Funktionen, wenn Du doch abends arbeitest.
Erholung im Alltag: Kleine Inseln statt nur „großer Urlaub“
Warte nicht auf die nächste Reise, um aufzutanken. Baue Mikro-Erholung in Deinen Alltag ein:
Kurze Erholungsfenster (5–15 Minuten)
- Spaziergang ohne Handy
- bewusstes Atmen/Dehnen
- Kaffee/Tee ohne Bildschirm
Regelmäßige Aktivitäten, die Dir guttun
- Sport, Hobbys, Musik, soziale Kontakte, Kreatives – was immer Dir Energie gibt.
Übergänge bewusst gestalten
- Nach der Arbeit ein „Ankommens-Ritual“ zuhause: Kleidung wechseln, Fenster öffnen, Musik, kurze Pause, bevor Du in andere Aufgaben springst.
Je regelmäßiger Du diese kleinen Erholungsinseln pflegst, desto weniger gerätst Du in die „Totalentleerung“.
Urlaub, der mehr ist als „anders arbeiten“
Damit Urlaub wirklich erholt, braucht es drei Phasen: Vorbereitung, Erleben, Rückkehr.

1. Vor dem Urlaub: Baustellen sichern statt alles perfekt machen
Statt: „Ich muss alles vorher schaffen.“ (unrealistisch)
Besser:
Realistische Auswahl:
- Was MUSS vor meinem Urlaub fertig sein?
- Was kann sauber übergeben werden?
- Was kann bewusst auf danach verschoben werden?
Klare Vertretung regeln:
- Wer übernimmt was?
- Wo finden sich Informationen (Ablagen, Doku)?
- Welche Entscheidungen kann die Vertretung selbst treffen?
Abwesenheitsnotiz mit Struktur:
- Dauer der Abwesenheit
- Klare Vertretung + Kontakt
- Hinweis, dass Mails ggf. nach dem Urlaub nicht rückwirkend gelesen werden (z. B. Bitte um erneute Kontaktaufnahme bei Wichtigem).
Ziel: Damit Dein Kopf im Urlaub nicht ständig denkt: „Hoffentlich bricht nichts zusammen.“
2. Im Urlaub: Abstand schaffen – innerlich und äußerlich
Wenn möglich:
Arbeits-Apps dezentrieren
- Mails/Teams/Slack nicht auf dem Startbildschirm, Notifications aus.
Kein ständiges Checken
- Wenn Du nicht komplett offline gehen kannst/möchtest:
- eine feste, kurze Zeit (z. B. 10 Minuten jeden zweiten Tag) – und danach konsequent wieder raus.
Aktivitäten, die Dich wirklich auftanken
- Natur, Bewegung, Lesen, Schlaf, gutes Essen, Begegnungen, Kultur, kreative Tätigkeiten…
- Frage Dich: „Wovon hätte mein Körper/Geist/Herz gerade am meisten?“
Tempo rausnehmen
- Nicht jeden Urlaubstag mit Programmpunkten überfrachten.
- Raum lassen für „einfach nichts“ – ohne schlechtes Gewissen.
Erholung heißt nicht, möglichst viel zu erleben, sondern wieder in einen ausgeglicheneren Zustand zu kommen.
3. Nach dem Urlaub: Weich landen statt Vollbremsung
Statt: „Am ersten Tag 8 Meetings und 300 Mails.“
Wenn möglich:
Plane den ersten Tag als Ankunftstag:
- Möglichst wenige Meetings.
- Zeitfenster zum Mailsichten und Priorisieren.
Mail-Flut managen:
- Nach Datum/Absender/Thema sortieren.
- Zuerst nachschauen, was während Deiner Abwesenheit erledigt wurde.
- Altes ggf. bewusst löschen/archivieren, wenn es nicht mehr relevant ist.
Zu Beginn: 1–3 Prioritäten für die ersten Tage setzen – nicht versuchen, alles gleichzeitig nachzuholen.
Typische Stolperfallen
„Ich erhole mich dann am Wochenende/im Urlaub richtig.“
– Wenn der Alltag dauerhaft zu voll ist, reicht punktuelle Erholung oft nicht.
→ Alltagsroutinen sind entscheidend.
„Nur noch schnell…“ nach Feierabend
– Aus „nur kurz“ wird oft eine Stunde.
→ Klare Cut-off-Zeiten und Rituale helfen.
Perfektionismus auch in der Freizeit
– „Der Urlaub/die Freizeit muss perfekt sein.“
→ Erzeugt Druck statt Entspannung. Erholung darf auch einfach und unspektakulär sein.
Schlechtes Gewissen beim Nichtstun
– Innere Sätze wie „Ich muss immer produktiv sein“.
→ Erholung als „unsichtbare Arbeit“ für Deine Gesundheit sehen.
Als Führungskraft: Rahmen für Erholung mitgestalten
Du kannst viel dazu beitragen, ob im Team echte Erholung möglich ist.
- Erreichbarkeits-Regeln klären:
- „Was erwarten wir gegenseitig nach Feierabend? Am Wochenende? Im Urlaub?“
- Urlaubsvertretung strukturiert organisieren:
- Nicht alles bei einer Person abladen.
- Aufgaben vorher bewusst umverteilen und priorisieren.
- Vorbild sein:
- Urlaub wirklich nehmen, Abwesenheit respektieren, keine Erwartung an „Nebenbei-Erreichbarkeit“ haben.
- Offene Kultur für Pausen und Erholung vorleben.
Sätze, die helfen:
- „Im Urlaub bist Du wirklich im Urlaub. Wenn etwas Wichtiges ist, kümmern wir uns im Team – dafür sind wir mehrere.“
- „Bitte schreib keine Mails an das Team spätabends – nutz ggf. die Planversand-Funktion.“
Drei kleine Schritte, mit denen Du heute anfangen kannst
Mini-Feierabend-Ritual einführen (10 Minuten)
- To-dos sichten, morgen 1–3 Prioritäten notieren, Arbeitsplatz aufräumen, Laptop bewusst schließen.
Eine klare Erreichbarkeitsgrenze setzen
- Für eine Woche: Entscheide Dich für eine Uhrzeit, ab der Du keine beruflichen Mails/Chats mehr beantwortest.
- Kommuniziere das bei Bedarf kurz (z. B. im Team).
Eine Mikro-Erholung pro Tag einbauen
- Z. B. 10 Minuten Spaziergang ohne Handy, kurze Ruhepause, bewusste Kaffeepause.
- Beobachte, wie sich das auf Deinen Tag auswirkt.
Erholung ist nichts, was „irgendwann mal“ dran ist – sie ist Teil Deiner Arbeitsfähigkeit. Je bewusster Du Feierabend und Urlaub gestaltest, desto nachhaltiger kannst Du Leistung bringen, ohne Dich aufzubrauchen.