Selbstreflexion als Karrierebooster: Dich und Deine Wirkung besser verstehen
Viele Menschen arbeiten hart – aber nicht alle kommen damit beruflich so weit, wie sie könnten. Ein entscheidender Unterschied: Manche kennen sich selbst, ihre Wirkung und ihre Muster sehr genau und steuern sie bewusst. Andere „funktionieren“ einfach – oft gut, aber eher im Autopilot.
Selbstreflexion ist wie ein inneres Navigationssystem für Deine Karriere. Sie hilft Dir, Dich selbst besser zu verstehen, klügere Entscheidungen zu treffen und Deine Wirkung bewusst zu gestalten.

Warum Selbstreflexion so wichtig für Deine Karriere ist
Selbstreflexion unterstützt Dich dabei:
- klarer zu wissen, was Du willst – statt nur ins nächste Projekt zu rutschen.
- Deine Stärken gezielt einzusetzen – und nicht nur Defizite zu „verwalten“.
- Deine Wirkung auf andere zu verstehen – wichtig für Zusammenarbeit und Führung.
- besser mit Stress, Kritik und Konflikten umzugehen.
- aus Erfahrungen zu lernen, statt dieselben Muster immer zu wiederholen.
Karriere ist nicht nur eine Frage von Leistung und Glück – sondern auch davon, wie gut Du Dich selbst führst.
Drei Ebenen der Selbstreflexion
Du kannst in drei Richtungen schauen:
-
Ich & meine Ziele
- Wo will ich hin? Was ist mir wichtig?
-
Ich & meine Wirkung
- Wie erleben mich andere? Was löse ich aus?
-
Ich & meine Muster
- Wie reagiere ich unter Druck? Was wiederholt sich immer wieder?
Alle drei Ebenen hängen zusammen – und alle drei sind für Deine Entwicklung wichtig.
1. Ich & meine Ziele: Was will ich eigentlich?
Viele tun „einfach das Nächste“, ohne bewusst zu prüfen, ob es zu ihnen passt.
Fragen zur Klärung:
- Was sind meine wichtigsten Werte im Arbeitskontext?
(z. B. Weiterentwicklung, Sicherheit, Einfluss, Gestaltung, Teamgeist, Sinn, Anerkennung) - In welcher Art von Aufgaben blühe ich auf?
(z. B. analysieren, kreativ gestalten, strukturieren, entscheiden, überzeugen, beraten) - Wo möchte ich in 1–3 Jahren stehen?
- Rolle (z. B. Projektleitung, Fachspezialist*in, Führung)
- Themengebiet
- Arbeitsumfeld (Kultur, Teamgröße, Flexibilität)
Hilfreiche Gedanken:
- Ziele müssen nicht „perfekt“ sein – es reicht oft eine grobe Richtung.
- Du darfst Ziele ändern, wenn Du unterwegs Neues über Dich lernst.
Mini-Übung:
- Schreibe Dir für die nächsten 12–18 Monate drei Sätze auf:
- „Mehr davon: …“
- „Weniger davon: …“
- „Auf keinen Fall (mehr): …“
2. Ich & meine Wirkung: Wie sehen mich andere?
Für Deine Karriere reicht es nicht, wie Du Dich siehst – entscheidend ist auch, wie andere Dich erleben:
- als klar, verlässlich, lösungsorientiert?
- als unnahbar, sprunghaft, zu kritisch, zu vorsichtig?
Selbstbild und Fremdbild weichen oft voneinander ab. Das ist normal – aber je größer die Lücke, desto schwieriger wird es.
Typische Stolpersteine:
- Du meinst es „direkt und ehrlich“ – andere erleben Dich als hart oder wenig empathisch.
- Du willst „Rückhalt geben“ – andere erleben Dich als unklar oder konfliktscheu.
- Du denkst, Du bist sichtbar – andere nehmen Dich kaum wahr.
Wie Du Deine Wirkung besser verstehst
Bewusst wahrnehmen
- Achte in Meetings und Gesprächen auf Reaktionen:
- Wenden sich Menschen eher Dir zu oder ab?
- Wird an Deine Beiträge angeknüpft – oder nicht?
Aktiv Feedback einholen
- Konkrete, offene Fragen stellen, z. B.:
- „Wie erlebst Du mich in Meetings?“
- „Was hilft Dir in der Zusammenarbeit mit mir – was eher nicht?“
- „Gibt es Situationen, in denen ich anders wirken könnte, als ich es beabsichtige?“
- Wichtig: Nicht nur die „Fans“ fragen, sondern auch kritische oder neutrale Personen.
Feedback als Daten sehen, nicht als Urteil
- Frage Dich:
- Was davon passt zu meinem eigenen Eindruck?
- Wo höre ich etwas zum ersten Mal?
- Wo taucht ein Muster auf (mehrere sagen Ähnliches)?
Du musst nicht alles übernehmen – aber nimm es ernst, wenn sich bestimmte Rückmeldungen häufen.
3. Ich & meine Muster: Was wiederholt sich immer wieder?
Wir alle haben typische Muster – gerade unter Stress:
- Rückzug und Schweigen
- Angriff und Konfrontation
- Überkontrolle und Perfektionismus
- Harmoniesuche und Konfliktvermeidung
Diese Muster waren irgendwann einmal nützlich – können heute aber im Weg stehen.
Deine Muster erkennen
Hilfreiche Fragen nach schwierigen Situationen:
- Was genau ist passiert?
- Was habe ich gedacht, gefühlt, getan?
- Kommt mir diese Reaktion bekannt vor?
- Was wollte ich (oft unbewusst) damit erreichen? (z. B. Sicherheit, Anerkennung, Kontrolle, Harmonie)
Beispiele:
- „Wenn es kritisch wird, bereite ich alles bis ins letzte Detail vor und gebe nichts ab.“
- „Wenn mich jemand frontal kritisiert, gehe ich sofort in die Verteidigung.“
- „Wenn im Meeting eine starke Meinung im Raum ist, halte ich meine eigene zurück.“
Der erste Schritt ist, das Muster überhaupt zu bemerken – ohne Dich dafür fertigzumachen.

Praktische Reflexionsroutinen für Deinen Alltag
Selbstreflexion braucht keinen halben Tag im Kloster – kleine, regelmäßige Routinen reichen.
Wochenreflexion (10–15 Minuten)
Stell Dir einmal pro Woche (z. B. Freitag Nachmittag) Fragen wie:
- Was waren diese Woche meine wichtigsten 2–3 Erfolge?
- Wo war ich besonders wirksam – was habe ich dazu beigetragen?
- Wo war ich unzufrieden mit mir – und warum?
- Was habe ich über mich gelernt?
- Was will ich kommende Woche bewusst anders machen?
Schreib Dir Stichpunkte auf – das schärft über die Zeit Deinen Blick für Muster.
Reflexion nach „Schlüsselmomenten“
Nach wichtigen Meetings, Konflikten, Präsentationen:
- Was habe ich mir vorgenommen – was habe ich tatsächlich getan?
- Wie habe ich gewirkt (aus meiner Sicht)?
- Wie haben andere reagiert?
- Was würde ich beim nächsten Mal genauso machen?
- Was würde ich anders machen wollen?
Wenn Du magst, kannst Du Dir zu solchen Situationen in einem Notizbuch eine kurze Seite „Lernprotokoll“ anlegen.
Reflexion mit anderen: Spiegel statt Tunnel
Selbstreflexion ist kein Einsiedler-Projekt. Andere Menschen können Dir wertvolle Spiegel vorhalten.
Mögliche Sparringspartner*innen:
- Führungskraft
- Vertrauenswürdige Kolleg*innen
- Mentor*innen
- Coach oder Trainer*in
Mögliche Einstiegsfragen:
- „Ich arbeite gerade daran, meine Wirkung besser zu verstehen. Wie nimmst Du mich wahr?“
- „Wo siehst Du bei mir besondere Stärken, die ich noch stärker nutzen könnte?“
- „Gibt es etwas, das mir im Weg steht, was ich vielleicht nicht sehe?“
Wichtig: Nur mit Menschen, denen Du grundsätzlich vertraust – und wo ein offener Austausch möglich ist.
Häufige Missverständnisse über Selbstreflexion
„Ich muss alles mit mir selbst ausmachen.“
– Nein. Reflexion heißt nicht Grübeln im stillen Kämmerlein, sondern auch Dialog und Feedback.
„Wenn ich mich zu viel hinterfrage, mache ich mich klein.“
– Gesunde Selbstreflexion stärkt Dich, weil Du Dich besser kennst.
Klein machst Du Dich erst, wenn Du Selbstkritik und Selbstabwertung verwechselst.
„Dafür habe ich keine Zeit.“
– Du hast keine Zeit, Deine Muster ständig zu wiederholen.
10 Minuten Reflexion pro Woche können Dir Stunden an Umwegen ersparen.

Drei kleine Schritte, mit denen Du heute anfangen kannst
Mini-Check am Tagesende (3 Minuten)
- „Was war heute ein Moment, auf den ich stolz bin?“
- „Was war heute ein Moment, den ich gerne anders gemacht hätte – und wie genau?“
Eine Person aktiv um Feedback bitten
- Wähle jemanden aus und stell eine konkrete Frage, z. B.:
- „Wie erlebst Du mich in unseren gemeinsamen Meetings?“
- Nur zuhören, nicht rechtfertigen.
Ein persönliches Entwicklungsziel formulieren
- Formuliere einen Satz für die nächsten 2–3 Monate, z. B.:
- „Ich möchte in Meetings meine Position klarer vertreten.“
- „Ich möchte besser mit Kritik umgehen, ohne sofort in den Verteidigungsmodus zu gehen.“
- Nutze Deine Reflexion, um regelmäßig zu prüfen: Wo stehe ich damit?