Delegation, die wirklich entlastet – für Dich und Dein Team
Delegation klingt nach Entlastung – fühlt sich in der Praxis aber oft nach zusätzlichem Aufwand an. „Bis ich das erklärt habe, hab ich’s selbst erledigt“ oder „Am Ende bleibt es doch wieder an mir hängen“: Solche Sätze kennst Du vielleicht.
Delegation kann jedoch genau das Gegenteil bewirken: Sie kann Dich spürbar entlasten, Dein Team stärken und die Gesamtleistung verbessern – wenn Du sie bewusst und gut machst.

Warum Delegation oft schwerfällt
Typische innere Hürden:
- „Ich kann das schneller / besser.“
- „Ich will niemanden überfordern.“
- „Ich will nicht kontrollierend wirken.“
- „Wenn es schiefgeht, bin ich verantwortlich.“
- „Das Team ist sowieso schon voll, da kann ich nicht noch was draufgeben.“
Das ist nachvollziehbar – aber wenn Du zu wenig delegierst:
- wirst Du selbst zum Flaschenhals,
- bleibt Dein Team unter seinen Möglichkeiten,
- wächst die Abhängigkeit von Dir,
- und Deine eigene Überlastung steigt.
Delegation ist deshalb kein Luxus, sondern ein zentraler Teil Deiner Führungsaufgabe.
Was gute Delegation ausmacht
Gute Delegation bedeutet:
- Du schaffst Klarheit (Zweck, Ziel, Spielraum, Zeitrahmen).
- Du gibst Verantwortung ab, nicht nur einzelne Tätigkeiten.
- Du bleibst ansprechbar, ohne alles an Dich zurückzuziehen.
- Du nutzt Delegation bewusst als Entwicklungschance für Dein Team.
Was solltest Du überhaupt delegieren?
Stell Dir für jede Aufgabe drei Fragen:
-
Muss das wirklich ich tun?
- Gibt es einen fachlichen oder formalen Grund, warum das Chefsache ist?
-
Lernt jemand daraus?
- Bietet die Aufgabe für andere eine gute Entwicklungschance?
-
Ist der Aufwand für Delegation den Gewinn wert?
- Gerade beim ersten Mal dauert’s länger – zahlt es sich später aus?
Grobe Daumenregel:
-
Behalten:
- Strategische Weichenstellungen
- heikle Personalthemen
- bestimmte vertrauliche Informationen
-
Delegieren / Teilen:
- operative Aufgaben
- Teilprojekte
- Vorbereitung von Entscheidungen
- Recherchen, Analysen, Konzepterstellung
In drei Schritten gut delegieren
1. Auftrag klären: Was, warum, bis wann?
Je klarer der Auftrag, desto größer die Chance, dass Du hinterher nicht alles „reparieren“ musst.
Beantworte mindestens:
-
Was ist das Ziel?
- Welches Ergebnis soll am Ende vorliegen? (z. B. Konzept, Entscheidungsvorlage, Liste, Prototyp)
-
Warum ist das wichtig?
- In welchen größeren Zusammenhang gehört die Aufgabe?
-
Wie weit reicht der Handlungsspielraum?
- Was darf die Person selbst entscheiden, wo braucht sie Dein Okay?
-
Bis wann?
- Klare Deadlines + ggf. Zwischenmeilensteine.
Beispiel:
„Ich möchte, dass wir bis zum 30. April einen Entwurf für unser neues Onboarding-Konzept haben. Ziel ist, dass neue Kolleg*innen in den ersten 4 Wochen klarer geführt werden. Du hast freie Hand bei der Struktur, ich möchte aber bis zum 15. April einen Zwischenstand sehen, damit wir zusammen draufschauen können.“
2. Unterstützung anbieten – ohne zu steuern
Frage bei der Übergabe:
- „Was ist Dir am Auftrag noch unklar?“
- „Was brauchst Du von mir, um gut starten zu können?“
- „Welche Risiken oder Hürden siehst Du?“
Vereinbart:
- Check-in-Termine (z. B. nach 1 Woche kurz 15 Minuten).
- Erreichbarkeit: Wann und wie kann Dich die Person bei Fragen ansprechen?
Wichtig:
Ermutige aktiv, frühzeitig zu kommen, wenn etwas hakt – lieber kurz nachjustieren als kurz vor der Deadline alles umschmeißen.
3. Loslassen – und trotzdem im Bild bleiben
Delegation scheitert oft daran, dass Du entweder:
- zu dicht drauf bist (Mikromanagement), oder
- zu weit weg bist („Meld Dich, wenn Du fertig bist“) und erst spät merkst, dass es anders läuft als gedacht.
Finde die Mitte:
- Schau auf Meilensteine, nicht ständig auf Zwischenschritte.
- Frag nach Ergebnissen, nicht nach jeder Kleinigkeit:
- „Zeig mir bitte den aktuellen Stand.“
- „Wie bist Du zu dieser Lösung gekommen?“

Delegation als Entwicklungschance nutzen
Gute Delegation heißt auch: Du traust Deinem Team etwas zu.
Fragen, die Dir helfen:
- Wer könnte durch diese Aufgabe sichtbarer werden?
- Wer braucht eine Gelegenheit, etwas Neues auszuprobieren?
- Wer möchte sich in einem bestimmten Bereich entwickeln?
Sprich das offen an:
„Ich gebe Dir diese Aufgabe auch, weil ich glaube, dass das gut zu Deinem Entwicklungswunsch Richtung Projektleitung passt.“
So wird Delegation nicht als „Abarbeiten für die Chefin/den Chef“, sondern als Chance erlebt.
Typische Fehler bei Delegation – und wie Du sie vermeidest
Nur „lästige“ Aufgaben abgeben
- Wirkung: Demotivation („Den spannenden Kram macht die Führungskraft selbst“).
- Besser: Auch sichtbare und interessante Aufgaben delegieren.
Unklare Aufträge
- „Kannst Du mal was zu XY vorbereiten?“ – und am Ende bist Du enttäuscht.
- Besser: Ziel, Umfang, Tiefe, Zielgruppe und Format klar machen.
Delegieren und dann doch wieder selbst machen
- Wirkung: Unsicherheit, Frust, „Bringt ja eh nichts, wenn ich mich reinhänge“.
- Besser: Dranbleiben, coachen, nachsteuern – aber die Verantwortung nicht wieder einziehen, nur weil es zwischendurch holprig wird.
Kein Feedback nach Abschluss
- Dann wird nicht gelernt – weder fachlich noch in der Zusammenarbeit.
- Besser: Kurz nachbesprechen:
- „Was ist gut gelaufen?“
- „Wo war es schwierig?“
- „Was machen wir beim nächsten Mal anders?“

Wie Delegation Dich wirklich entlastet
Kurzfristig:
- Du hast anfänglich mehr Aufwand (Erklären, Begleiten, Nachbesprechen).
Mittelfristig:
- Aufgaben laufen stabiler ohne Dich.
- Du bekommst bessere Entscheidungsgrundlagen, weil andere gut vorbereitet haben.
- Du kannst Dich auf Strategie, Prioritäten und Führungsthemen konzentrieren.
Langfristig:
- Dein Team wird selbstständiger und kompetenter.
- Du wirst als Führungskraft ersetzbar in operativen Fragen – und das ist ein Zeichen guter Führung, nicht von Schwäche.
Drei kleine Schritte, mit denen Du heute starten kannst
Delegations-Potenzial finden
- Schreib Dir Deine Aufgaben der nächsten Woche auf.
- Markiere mindestens 2 Aufgaben, die Du sinnvoll delegieren könntest.
Einen Auftrag bewusst „sauber“ delegieren
- Nimm Dir eine dieser Aufgaben und delegiere sie mit klarer Zielbeschreibung, Zeitrahmen und Check-in-Termin.
Nach Abschluss reflektieren
- Nimm Dir mit der betreffenden Person 10–15 Minuten:
- Was lief gut?
- Wo war der Auftrag noch unklar?
- Was können wir bei der nächsten Delegation besser machen?