Motivation im Team stärken – jenseits von Boni und Benefits

Motivation im Team stärken – jenseits von Boni und Benefits

Gehalt, Boni und Benefits sind wichtig – aber sie erklären nur einen Teil davon, warum Menschen mit Energie und Engagement arbeiten. Wirklich tragfähige Motivation entsteht aus dem Inneren: aus Sinn, Gestaltungsspielraum, Entwicklung und guter Zusammenarbeit.

Dieser Artikel zeigt Dir, wie Du – als Führungskraft und als Teammitglied – Motivation im Alltag stärken kannst, ohne ständig neue materielle Anreize zu schaffen.

Was Menschen wirklich motiviert

Forschung und Praxis zeigen immer wieder ähnliche Kernfaktoren. Drei davon sind besonders zentral:

  1. Autonomie
    • Das Gefühl, Dinge mitgestalten und selbst entscheiden zu können.
  2. Kompetenz / Wirksamkeit
    • Das Gefühl, etwas gut zu können und mit der eigenen Arbeit etwas zu bewirken.
  3. Sinn & Zugehörigkeit
    • Das Gefühl, dass die eigene Arbeit sinnvoll ist und man Teil eines Teams ist, das zusammenhält.

Fragen an Dich:

  • Wo findet Dein Team gerade viel Autonomie – wo eher wenig?
  • Wo erleben die Leute sich als wirksam? Wo eher im Hamsterrad?
  • Wie klar ist der Sinn Eurer Arbeit – über „Aufgaben abarbeiten“ hinaus?

1. Sinn klarmachen: „Wozu machen wir das?“

Nichts demotiviert so sehr wie Aufgaben, deren Zweck unklar ist.

Als Führungskraft:

  • Verbinde Aufgaben mit dem größeren Bild:
    • „Wir machen diese Analyse, damit wir unsere Kund*innen besser verstehen und XY verbessern.“
    • „Dieser Prozessschritt hilft uns, Fehler früh zu entdecken, bevor sie beim Kunden landen.“
  • Erkläre, welchen Unterschied die Arbeit des Teams macht – für Kund*innen, andere Bereiche, das Unternehmen.

Als Teammitglied:

  • Frag nach, wenn der Sinn unklar ist:
    • „Hilf mir bitte zu verstehen: Wozu genau machen wir das?“
  • Teile Deine Perspektive:
    • „Mir hilft es, wenn ich sehe, welchen Beitrag das zu unserem Gesamtziel leistet.“

2. Autonomie stärken: Wie und nicht nur was vorgeben

Motivation steigt, wenn Menschen mitentscheiden können, wie sie Ziele erreichen.

Als Führungskraft:

  • Formuliere Ziele und Rahmen – lass das Team über den Weg mitentscheiden:
    • „Unser Ziel ist X bis Ende Q3. Wie würdet Ihr das angehen?“
  • Frage nach Vorschlägen:
    • „Welche Ideen habt Ihr, um das effizienter zu machen?“
  • Übertrage Themenverantwortung:
    • z. B. „Qualitätsbotschafterin“, „Kommunikationsschnittstelle“, „Onboarding-Verantwortlicher“.

Als Teammitglied:

  • Bring aktiv Vorschläge ein:
    • „Ich hätte einen Vorschlag, wie wir das einfacher gestalten könnten…“
  • Signalisiere Bereitschaft:
    • „Ich würde gern Verantwortung für Thema X übernehmen.“

3. Kompetenz und Entwicklung sichtbar machen

Menschen wollen wachsen, lernen, Fortschritte sehen.

Als Führungskraft:

  • Sprich mit jeder Person regelmäßig über Entwicklung:
    • „Worin möchtest Du Dich in den nächsten 6–12 Monaten entwickeln?“
    • „Welche Art von Aufgaben bringen Dich voran?“
  • Gib Aufgaben, die eine halbe Stufe über dem aktuellen Niveau liegen – mit Schutzrahmen:
    • „Ich weiß, dass das neu für Dich ist. Ich traue Dir das zu und bin ansprechbar, wenn Du hängenbleibst.“
  • Mach sichtbare Fortschritte deutlich:
    • „Vor einem Jahr war das Thema für Dich neu, jetzt bist Du unsere Ansprechperson dafür.“

Als Teammitglied:

  • Sprich offen über Deine Entwicklungswünsche:
    • „Ich würde mich gern stärker im Bereich XY einbringen. Gibt es Projekte/Aufgaben, wo das passt?“
  • Bitte gezielt um Feedback:
    • „Was mache ich in diesem Bereich schon gut, was kann ich verbessern?“

4. Anerkennung & Wertschätzung – konkret und ehrlich

Wertschätzung ist einer der stärksten Motivationsfaktoren – wenn sie authentisch und konkret ist.

Statt: „Gut gemacht“
lieber: „Danke für Deine strukturierte Vorbereitung der Präsentation heute – das hat es uns leicht gemacht, eine Entscheidung zu treffen.“

Für alle:

  • Konkret sein:
    • Was genau war gut?
    • Welchen positiven Effekt hatte es?
  • Zeitnah reagieren:
    • Nicht bis zum Jahresgespräch warten.
  • Nicht nur nach oben loben:
    • Auf gleicher Ebene und nach unten genauso.

Als Führungskraft:

  • Mach es zur Routine, in Besprechungen positive Beiträge zu benennen:
    • „Besonders hilfreich fand ich heute …“
  • Sieh auch „unsichtbare Arbeit“:
    • z. B. Organisation im Hintergrund, Teampflege, Einarbeitung neuer Kolleg*innen.

5. Beziehungen und Teamspirit pflegen

Menschen bleiben selten nur wegen des Unternehmens – oft bleiben sie wegen der Menschen.

Als Führungskraft:

  • Schaffe Gelegenheiten für Austausch jenseits reiner Sachthemen:
    • Kurzer Check-in zu Beginn von Meetings („Wie kommst Du heute hier an?“).
    • Gemeinsame Retrospektiven: Was lief gut? Woraus haben wir gelernt?
  • Achte darauf, dass Erfolge als Teamleistung sichtbar werden, nicht nur als Einzelerfolge.

Als Teammitglied:

  • Interessier Dich für die Menschen, nicht nur ihre Rolle:
    • „Wie geht’s Dir mit dem Projekt?“ – und auch mal privat, wo es passt.
  • Unterstütze Kolleg*innen aktiv:
    • „Kann ich Dich bei X unterstützen?“
    • „Du wirkst gerade ziemlich ausgelastet – brauchst Du Hilfe?“

6. Mit Belastung offen umgehen – ohne „Jammerkultur“

Hohe Arbeitslast und Dauerstress fressen Motivation auf. Entscheidend ist, wie Ihr im Team damit umgeht.

Als Führungskraft:

  • Sprich Überlastung aktiv an:
    • „Wie ist Eure aktuelle Auslastung – was ist realistisch schaffbar?“
  • Priorisiere klar:
    • „Diese drei Punkte sind wichtiger als der Rest – was wir nicht schaffen, verschieben wir.“
  • Steh vor Deinem Team, wenn von oben mehr gefordert wird, als machbar ist.

Als Teammitglied:

  • Benenne Grenzen früh, nicht erst im Notfall:
    • „Ich sehe, dass wir hier an eine Grenze kommen. Damit wir Qualität halten können, sollten wir priorisieren.“
  • Mach Vorschläge:
    • „Wir könnten X verschieben oder in Y die Qualität reduzieren, um Z sauber machen zu können.“

Offene, konstruktive Gespräche über Belastung sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von Professionalität.


7. Motivation ist individuell – sprich darüber

Was motiviert, ist nicht bei allen gleich:

  • Die eine Person will wachsen und Verantwortung.
  • Die andere schätzt Verlässlichkeit und klare Strukturen.
  • Wieder andere brauchen Gestaltungsspielraum oder Kreativität.

Als Führungskraft:

  • Frag direkt:
    • „Was motiviert Dich an Deiner Arbeit am meisten?“
    • „Wann gehst Du mit einem guten Gefühl nach Hause?“
    • „Was würde Deine Motivation aktuell am stärksten erhöhen?“
  • Versuch nicht, alle gleich zu behandeln – behandle sie fair, aber ihren Bedürfnissen entsprechend unterschiedlich.

Als Teammitglied:

  • Kommuniziere, was Dir wichtig ist:
    • „Mich motiviert besonders, wenn …“
    • „Es hilft mir sehr, wenn …“

8. Was Du als Team heute schon anders machen kannst

Drei kleine Schritte, die sofort wirken können:

„Erfolgs-Minute“ im Weekly

  • Jede Woche 5–10 Minuten, in denen Ihr Erfolge oder gute Beiträge teilt:
    • „Was ist seit dem letzten Mal gut gelaufen?“
    • „Wem möchtest Du heute Danke sagen – und wofür?“

Mehr „Warum“ statt nur „Was“

  • Nimm Dir vor, in der nächsten Woche bei neuen Aufgaben immer mindestens einen Satz zum Sinn zu sagen – oder nach ihm zu fragen.

Kurzes Motivations-Check-in im 1:1

  • Frage regelmäßig:
    • „Worauf freust Du Dich gerade in Deiner Arbeit?“
    • „Wo ist Deine Motivation gerade eher niedrig – und warum?“