Persönliche Stärken erkennen und gezielt einsetzen
Viele Menschen können Dir schnell sagen, was sie nicht gut können. Wenn es aber um die eigenen Stärken geht, wird es oft still. Dabei sind gerade Deine Stärken der Schlüssel zu mehr Erfolg, Zufriedenheit und Wirksamkeit im Beruf.
Dieser Artikel hilft Dir, Deine persönlichen Stärken bewusster zu erkennen – und sie im Arbeitsalltag gezielt einzusetzen.
Was sind „Stärken“ eigentlich?
Stärken sind nicht nur Dinge, die Du gut kannst. Es sind vor allem Fähigkeiten und Eigenschaften, bei denen:
- Dir vieles relativ leicht fällt,
- Du oft in eine Art Flow kommst,
- andere sagen: „Wie machst Du das nur so selbstverständlich?“,
- Du Energie gewinnst, statt danach total ausgelaugt zu sein.
Stärken können sein:
- fachlich: z. B. Analysen, Präsentationen, Projektsteuerung, Kundenkommunikation.
- sozial: z. B. Empathie, Vermittlung in Konflikten, Netzwerken, Teamzusammenhalt fördern.
- persönlich: z. B. Struktur, Ausdauer, Kreativität, Ruhe in Stresssituationen.
Wichtig:
Stärken sind nicht automatisch das, was in Deinem Jobprofil steht – sondern das, was Dich als Person besonders ausmacht.

Warum es sich lohnt, Deine Stärken zu kennen
Wenn Du Deine Stärken kennst und nutzt, kannst Du:
- gezielter Aufgaben übernehmen, die gut zu Dir passen,
- mehr Leichtigkeit und Freude bei der Arbeit erleben,
- Dich besser positionieren (z. B. in Projekten, in der Karriereplanung),
- bewusster „Nein“ sagen zu Dingen, die gar nicht zu Dir passen,
- in Verhandlungen und Gesprächen klarer sagen, was Du ins Team einbringst.
Als Führungskraft hilft Dir das zudem, Deine Stärken für das Team einzusetzen – und die Stärken der anderen besser zu sehen.
Drei Wege, Deine Stärken zu entdecken

1. Rückblick auf Deine Erfolgsmomente
Nimm Dir ein paar Minuten und denk an 3–5 Situationen der letzten 1–2 Jahre, auf die Du stolz bist. Das können große oder kleine Momente sein:
- ein gelungenes Projekt,
- ein schwieriges Gespräch, das gut ausgegangen ist,
- eine Krise, in der Du ruhig geblieben bist,
- eine Idee, die etwas bewegt hat.
Für jede Situation:
- Was war genau die Herausforderung?
- Was hast Du konkret getan?
- Welche Fähigkeiten/Eigenschaften hast Du eingesetzt?
- z. B. Struktur, Mut, Klarheit, Empathie, Ausdauer, Kreativität, Humor.
Muster zählen mehr als Einzelfälle: Was taucht immer wieder auf?
2. Andere nach Deinen Stärken fragen
Anderen fallen Deine Stärken oft schneller auf als Dir selbst.
Frag 3–5 Personen, denen Du vertraust (Kolleginnen, Führungskraft, Freundinnen, Partner*in):
- „Was siehst Du als meine größten Stärken?“
- „In welchen Situationen erlebst Du mich besonders wirksam?“
- „Worauf kann man sich bei mir immer verlassen?“
Bitte sie um konkrete Beispiele („Wann hast Du das erlebt?“).
Notiere die Antworten – und achte darauf, welche Muster sich wiederholen.
3. „Energie-Check“ im Alltag
Stärken erkennst Du auch daran, dass sie Dir Energie geben.
Beobachte 1–2 Wochen lang Deinen Arbeitsalltag:
- Bei welchen Tätigkeiten vergeht die Zeit wie im Flug?
- Wann gehst Du mit einem guten Gefühl aus Meetings/Terminen?
- Nach welchen Aufgaben bist Du eher aufgeladen als ausgelaugt?
Schreib Dir abends 2–3 Stichpunkte auf:
- Was hat mir heute besonders Spaß gemacht?
- Was ist mir heute besonders gut gelungen – und warum?
Daraus kannst Du ableiten, welche Art von Tätigkeiten Deine Stärken ansprechen.
Deine „Stärken-Landkarte“ erstellen
Fass Deine Erkenntnisse zusammen:
- Erstelle eine Liste Deiner vermuteten Stärken (z. B. 6–10 Punkte).
- Schreib hinter jede Stärke mindestens ein Beispiel aus der Praxis.
- Markiere Deine Top 3–5 Stärken – also die, die Dich am besten beschreiben.
Beispiel:
- Analytisches Denken – „Strukturiere komplexe Infos schnell, z. B. im Projekt X.“
- Empathie – „Kolleg*innen kommen mit privaten/beruflichen Themen zu mir.“
- Struktur & Zuverlässigkeit – „Deadlines halte ich konsequent ein.“
- Moderation – „Bringe in Meetings unterschiedliche Meinungen zusammen.“
Diese „Stärken-Landkarte“ ist die Basis, um Deine Arbeit besser an Dich anzupassen.
Stärken im Job gezielt einsetzen
1. Passt Deine Rolle zu Deinen Stärken?
Frag Dich:
- Welche meiner Stärken nutze ich täglich?
- Welche kommen nur selten vor?
- Welche werden im aktuellen Job überhaupt nicht gebraucht?
Wenn viele Deiner Stärken im Alltag kaum vorkommen, ist das ein Signal:
Entweder Du gestaltest Deine Aufgaben anders – oder Deine Rolle ist langfristig nicht ideal.
2. Mit Deiner Führungskraft ins Gespräch gehen
Teile Deine Stärken-Landkarte (zumindest teilweise) mit Deiner Führungskraft:
- „Ich habe mich mit meinen Stärken beschäftigt. Ich erlebe mich besonders stark in …“
- „Gibt es Aufgaben oder Projekte, in denen ich diese Stärken noch stärker einbringen kann?“
Konkrete Vorschläge helfen:
- „Ich könnte die Moderation von XY übernehmen.“
- „Bei Analysen/Strukturaufgaben kann ich Team/Projekt A entlasten.“
- „Ich würde gern neue Kolleg*innen mit einarbeiten – das passt gut zu meiner Stärke Beziehung/Struktur.“
Führungskräfte sind oft dankbar, wenn Mitarbeitende von sich aus sagen, wo sie glänzen wollen.
3. Stärken im Team kombinieren
Im Team wird es besonders spannend:
- Wer ist stark in Konzept & Analyse?
- Wer in Umsetzung & Dranbleiben?
- Wer in Kommunikation & Vermittlung?
- Wer in Struktur & Organisation?
Je bewusster Ihr das im Team macht, desto besser könnt Ihr Aufgaben verteilen:
- Die/der eine schreibt Konzepte,
- die/der andere präsentiert sie,
- eine dritte Person sorgt für saubere Umsetzung.
Niemand kann alles gleich gut – aber zusammen seid Ihr stark.

Stärken vs. Schwächen: Wo liegt der Fokus?
Natürlich ist es wichtig, an kritischen Schwächen zu arbeiten – z. B. wenn sie Dich oder das Team klar behindern (Unzuverlässigkeit, Kommunikationsdefizite, fehlende Basiskenntnisse).
Aber:
Du wirst nie exzellent, indem Du nur Schwächen managst. Exzellenz entsteht, wenn Du Deine Stärken konsequent nutzt und ausbaust.
Ein hilfreiches Bild:
- Schwächen managen, damit sie nicht stören.
- Stärken entwickeln, damit sie wirken.
Frag Dich regelmäßig:
- Was kann ich weglassen, delegieren oder vereinfachen, weil es nicht zu meinen Stärken passt – oder mich zu viel Energie kostet?
- Wo will ich meine Stärken noch bewusster einsetzen?
Vorsicht: Schattenseiten von Stärken
Jede Stärke hat auch eine Kehrseite, wenn sie übertrieben wird:
- Struktur → kann starr und unflexibel wirken.
- Empathie → kann zu Überanpassung oder Überverantwortung führen.
- Analytik → kann entscheidungshemmend werden („verzettelt in Details“).
- Durchsetzungsstärke → kann dominant oder hart rüberkommen.
Frage Dich bei Deinen Top-Stärken:
- Wann hilft mir diese Stärke besonders?
- In welchen Situationen könnte sie zu viel werden?
- Was wäre ein guter Gegenpol (z. B. Flexibilität zu Struktur, Klarheit zu Empathie)?
So bleibt Deine Stärke wirklich eine Stärke – und kippt nicht ins Gegenteil.
Drei kleine Schritte, mit denen Du heute anfangen kannst
Drei Erfolgsmomente notieren
- Schreib Dir drei Situationen der letzten Monate auf, die gut gelaufen sind.
- Notiere je 2–3 Stärken, die Du dort eingesetzt hast.
Eine Person um Stärken-Feedback bitten
- Frag eine Kollegin, einen Kollegen oder Deine Führungskraft:
- „Was würdest Du sagen, sind meine drei größten Stärken?“
- Nur zuhören und mitschreiben.
Eine Stärke bewusst einsetzen
- Wähle für morgen eine Deiner Top-Stärken aus (z. B. Struktur, Empathie, Analytik).
- Überlege: „Bei welcher Aufgabe oder in welchem Meeting will ich diese Stärke morgen ganz bewusst einsetzen?“
- Beobachte, was sich dadurch verändert.